Schärenglück

Von Bomarsund aus wollen wir unser Schärenglück versuchen. Bomarsund selbst war schon ein bisschen wie eine Schäre, nur mit Heckboje, Steg und Ringen im Fels. Ab jetzt segeln wir wirklich alleine weiter. Felix will nach Mariehamn und wir an die Schäre. Irgendeine Schäre.

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Bomarsund: Steg mit Lupercalia

Bis Jannes Eltern in Rauma an Bord kommen, haben wir noch ein paar Tage, aber nicht mehr viel Strecke. Ideale Voraussetzungen für ein bisschen Schärenbummeln. Nicht so ideal ist das Wetter. Das Grau will noch nicht so ganz weichen. Und dazu hat es auch noch gut Wind im Gepäck. Aber immer wieder blinzelt die Sonne hervor und macht uns Hoffnung.

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Henning entspannt an der Pinne

Unsere ersten Versuche schlagen fehl. Gefühlt fahren wir den ganzen Tag kreuz und quer durch Aland und nichts passt so richtig. Die Schären im Revierführer sind zu ungeschützt gegen den aktuellen Wind, zu weit weg oder bereits besetzt. Und wie findet man Schären, die nicht im Revierführer sind und trotzdem geeignet zum festmachen? Abends landen wir sehr spät im Hafen. Glada Laxen ist es geworden. Der Lachs ist glücklich, wir aktuell eher nicht.

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Das Boot hat schon bessere Zeiten gesehen

Auch am nächsten Morgen herrscht noch Frust. So hatten wir uns die Ålands eigentlich nicht vorgestellt. Insgesamt waren wir in fast 3 Wochen einmal an einer Schäre. Dabei haben wir uns doch auf das Schärenankern am meisten gefreut. Sollen wir doch noch für die letzten Tage in die Schären vor Turku? Dafür haben wir aber keinen Revierführer und die Karten sehen so aus, als ob auf jeder Schäre ein Haus steht.

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Haus auf Schäre

Am Ende entscheiden wir uns für das Fahrwasser nach Fiskö. Wir kommen erst spät los, werden aber prompt für die Entscheidung belohnt. Direkt am Fahrwasser auf einer Schäre stehen zwei kleine Elche. Den Ansporn haben wir gebraucht. Wir versuchen anzulegen, brechen aber wegen zu geringer Wassertiefe und Steinen im Wasser ab.

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Baby-Elche

Aber ab da ist der Bann gebrochen und wir suchen auf eigene Faust in der Karte nach Möglichkeiten zum Schärenankern. Etwas weiter finden wir zwei Buchten, die geeignet aussehen. Wir fahren hinein und scheitern wieder. Die Stellen, die windgeschützt sind, sind zu flach zum festmachen oder es liegen dicke Steine davor. Der vierte Versuch weniger als eine Seemeile weiter sitzt. Wir finden eine Stelle, an der wir festmachen können. Es ist nicht so windgeschützt wie erhofft aber ruhig genug, dass wir eine Nacht bleiben.

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Asgard an Schäre 1

Am nächsten Tag brüten wir über den Seekarten, welche Stellen geeignet sein könnten. Wenn wir zu viele Meilen machen, kommen wir aus dem Schärengebiet heraus . Eine weitere Nacht an dem Platz bleiben wollen wir aber auch nicht. Also probieren wir ein paar Möglichkeiten in der Nähe aus. Die erste ist uns nicht windgeschützt genug. Aber eine Schäre weiter finden wir den perfekten Platz. Ruhig, ausreichend flach für den Anker, tief genug für den Kiel und mit genügen Spalten zum Festmachen mit Schärennägeln. Außerdem unbewohnt. Wir entscheiden nach 5 Seemeilen um viertel nach 12, dass wir den restlichen Tag an dieser Schäre bleiben. So langsam haben wir den Dreh raus. Nur das Wetter spielt noch nicht perfekt mit. Aber davon lassen wir uns die Stimmung nicht vermiesen.

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Asgard an Schäre 2

Wir müssen noch Wasser und Diesel bunkern, einkaufen und Wäsche waschen bevor Jannes Eltern zu steigen. Ab Rauma sehen die Karten erstmal nicht mehr nach Schären aus. Dabei haben wir gerade Blut geleckt.

 

Graue Tage

Nachts in Käringsund schlug das Wetter um. Es wurde grau, diesig, windig und nass. Teilweise haben wir ordentlich Nebel. Dieses Wetter begleitet uns nun seit ein paar Tagen. Bei Regen und trüben Wetter sehen die Ålands plötzlich viel weniger einladend aus. Käringsund ist vorerst unser westlichster Hafen. Von dort aus drehte unser Bug sich zunächst nach Norden und dann nach Osten. Es geht zurück durch die Ålands zum finnischen Festland. Aber vorher haben wir noch ein paar Tage in der Inselwelt.

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Schallsignale im Nebel

Unser Weg trennte sich von der Barbie. Seit Hanko waren wir zusammen gesegelt. Während wir den nördlichen Bogen einschlugen, ging die Barbie südlich herum. Wir haben uns mit Felix von der Lupercalia in Seglinge verabredet. Also hieß es auch bei Regen ablegen und vorwärts kommen. Die sonst so spannenden Sunde wirkten plötzlich farblos und trist. Teilweise bekamen wir unterwegs so viel Nebel, dass wir genauso gut auf dem Atlantik oder dem Mittellandkanal hätten unterwegs sein können. Die Farben waren zu Grautönen verschwommen.

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Seglinge: graue Wolken und blauer Himmel

Umso mehr wussten wir die Sonnenstrahlen in Seglinge zu schätzen. Wir haben eine kleine Radtour über die schöne Insel gemacht. Elche haben wir leider keine gesehen. Dafür lag plötzlich im Hafen ein weiteres deutsches Schiff. Die Barbie hatte völlig unerwartet auch den Weg nach Seglinge gefunden. Etwas später lief dann noch die Lupercalia ein und zu sechst hatten wir einen wunderschönen langen Abend, gekrönt von einem perfekten Regenbogen über unseren Schiffen.

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Seglinge: Hafen unterm Regenbogen

Am nächsten Tag war das schöne Wetter wieder vorbei. Die Grautöne herrschten erneut vor. Spät legten wir ab und verholten uns mit der Lupercalia etwa 15sm nach Westen. Für uns die völlig falsche Richtung, aber wir wollten noch einen Tag mit Felix verbringen und bei dem grauen Wetter hatten wir einfach keine Lust groß Strecke zu machen. Von Andi und Moni haben wir uns endgültig verabschiedet. Die Barbie richtet ihren Bug bereits nach Norden und wird die Ålands vor uns gen Vaasa verlassen.

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Seglinge: Auf Wiedersehen Barbie!

Bei mehr als 20 kn Wind aus der völlig falschen Richtung, immer wieder Regen und einfach ekeligem Wetter kamen wir frierend und nass in Bomarsund an. Nach einem netten Abend bei Rotwein und dunkler Schokolade an Bord der Lupercalia fielen wir müde in die Koje.

Holländer müsste man sein…

…dann müsste man auch als eingefleischter Fußballfan die Häfen nicht nach dem EM-Spielplan auswählen.

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Mariehamn: EM-Fieber

Die Eröffnungsspiele haben wir in Rödhamn über das Hafen-WLan versucht zu gucken. Beim Versuch blieb es auch. Das WLAN war so schlecht, dass das Bild ständig einfror. Damit war das Ziel gesetzt für das erste Deutschlandspiel in Mariehamn zu sein. Wir hatten uns bereits informiert, wo die Sportsbar ist. Der schwedische Kommentar dazu war zwar für uns nicht so richtig verständlich, es hat aber trotzdem Spaß gemacht zu gucken.

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Mariehamn: EM in der Sportbar

Am nächsten Tag gingen wir in Mariehamn auf Suche nach einer Prepaid-Internet-Simkarte für unser Tablet. Und da sind uns die Finnen wirklich voraus. Für 25€ gab es 31 Tage mobiles Prepaid-4G-Internet ohne Datenbeschränkung. Damit ist die EM erstmal gesichert – jetzt brauchen wir nur noch Liegeplätze mit 4G-Netz.

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Mariehamn: EM im Cockpit

In Mariehamn konnten wir auch das leidige Gasflaschenthema lösen. Unsere Butan-Campinggasflaschen können wir in Finnland nicht tauschen. Das wussten wir vorher und waren somit auch nicht überrascht, dass wir in Mariehman keine Flasche bekamen. Deshalb haben wir uns bereits vor der Abreise einen Adapter gekauft und in Mariehamn für 70€ eine schwedisch-finnische Flasche. Die Gasfüllung kam dann nochmal oben drauf. Wir hatten aber vor Abfahrt nicht ausprobiert, ob der Adapter auch kompatibel zu unserem System ist. Ein großer Fehler – auf die Flasche passt er perfekt, auf unseren Druckminderer ebenfalls aber unser Absperrventil passte nun nicht mehr dazwischen.

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Mariehamn: Barbie (links) und Baltic Princess (rechts)

So ging die große Sucherei nach einem Adapter für den Adapter los. Moni und Andi liehen uns ihre Faltfahrräder und wir suchten Mariehamn nach einem passenden Adapter ab. Um es kurz zu machen, wir wurden von einem Geschäft zum nächsten geschickt. Im sechsten Laden wurden wir dann tatsächlich glücklich fündig und konnten 10 Minuten vor Ladenschluss für weitere 30€ gleich ein ganz neues Absperrventil bekommen. Jetzt haben wir eine funktionierendes System und sind das leidige Gasthema hoffentlich für den Rest der Reise los.

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Schäre: Schärenidylle

Von Mariehamn ging es dann zum ersten Mal an eine Schäre. Das Wetter passte, der Wind passte und die Schäre passte auch. Beim ersten Versuch hielt der Heckanker nicht ausreichend. Beim zweiten Mal hielt er, aber die Leine reichte nicht. Nach der Verlängerung der Leine hüpfte Janne an Land und suchte nach passenden Spalten für die Schärenanker. Die Barbie ging längsseits und lieh uns ihre Bugleiter.

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Schäre: Dinghispaß

Endlich liegen wir an einer Schäre! Henning und ich holten unser Dinghi und unseren handbetriebenen Free-Wheeling-Außenborder hervor. Mit ordentlich Gelächter und viel Spaß drehten wir eine Runde durch die Bucht. Gemeinsam mit Andi und Moni grillten wir abends auf den warmen Felsen und guckten die EM-Spiele über das mobile Netz bis uns die Mücken zurück ins Schiff trieben und die Sonne unterging.

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Schäre: EM auf der Schäre

Von der Schäre ging es dann weiter um die Hauptinsel der Ålandinseln herum. Das nächste Ziel hieß Käringsund. Für uns der westlichste Punkt in den Ålands. Von da aus werden wir wieder zurück Richtung finnischem Festland segeln.

Segeln im Traumrevier

Seit einigen Tagen tingeln wir durch die Inselwelt der Ålands. Das Revier von dem alle Ostseeumsegler schwärmen. Wir haben uns extra auf dem ersten Teil unserer Reise beeilt, damit wir uns in den Ålands Zeit lassen können. Wir träumen davon in den Ålands zum ersten Mal an einer Schäre zu liegen.

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Kobbar Klintar: Lotsenhaus

In Korpoström waren wir erstmal drei Nächte im Hafen eingeweht. Der Hafen war sehr geschützt, aber außerhalb hat es ordentlich gepustet. Es gab trotzdem Boote, die weiter gefahren sind. Wir haben uns nicht getraut. Nach drei Tagen war der Wind aber so weit weniger geworden, dass es auch für uns endlich in die Ålands ging. Vom Wind her konnten wir wunderbar Kökar weit im Süden der Ålands anliegen, nur so weit wollten wir gar nicht in den Süden. Dafür lag Husö als Alternative sehr gelegen. Als wir dort ankamen, stellten wir fest, dass der Steg plötzlich privat ist. Ein schwedisches Boot bestätigte das – der Steg ist dieses Jahr von einem Verein gekauft worden und darf nur von Vereinsmitgliedern benutzt werden. Lange Gesichter bei uns. Immerhin waren wir jetzt in den Ålands angekommen und konnten die finnische durch die åländische Gastflagge ersetzen.

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Baugrund wird knapp

Der nächste Tag entschädigte für die Enttäuschung über Husö. Durch zwei enge, idyllische und gut betonnte Sunde ging es mit ordentlich Geschwindigkeit Richtung Rödhamn. Bei gutem Wind hatten wir immer wieder deutliche Schräglage und kamen schnell voran. Rödhamn ist ein sehr niedlicher Hafen mit saftigen Hafengebühren. Es gibt dort keine Duschen und keinen Strom, alles wird mit Gas betrieben und die Sauna mit Holz. Womit das freie WLAN betrieben wird haben wir lieber nicht nachgefragt. Am nächsten Morgen gab es frisch gebackene Brötchen.

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Rödhamn: Der Hafen

Von Rödhamn ging es mit Zwischenstop auf Kobbar Klintar nach Mariehamn. Kobbar Klintar ist eine ehemalige Lotseninsel, auf der inzwischen ein süßes Café erichtet wurde. Die Insel liegt inmitten zweier Schifffahrsstraßen für die großen Fähren, die Mariehamn anlaufen und bietet somit einen tollen Blick auf die Fähren, wie sie sich zwischen den Schären durchschlängeln. Wir haben uns für den Westhafen von Mariehamn entschieden, da wir von da aus Richtung Norden weiter wollen.

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Schäre vor Fähre

Da wir nachts immer zu viel Wind für unseren Geschmack hatten, haben wir immer noch nicht an einer Schäre gelegen. Irgendwie schade, da wir uns ganz besonders darauf gefreut haben. Die Häfen werden allmählich voller, die Saison der Finnen beginnt. Dass die Häfen bald gerappelt voll sein werden, können wir uns so langsam auch vorstellen. In Mariehamn lief ein Boot nach dem anderen ein. Es waren bereits erstaunlich viele deutsche Boote dabei.

Eingeweht

Es wird bereits nicht mehr richtig dunkel. Die Tage sind lang. Das Licht ist besonders in den Abendstunden unglaublich schön. Dazu sind wir in Finnlands Natur angekommen. Hier gibt es keine großen Städte mehr. Nur Natur in unterschiedlichsten Formen und ab und an ein paar Häuschen und kleine Einkaufsmöglichkeiten.

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Henning am Steuer

Von Högsåra ging es nach Jurmo. Jurmo hatte sich Janne gewünscht. Ein Bekannter aus Bremen hatte die Insel wärmstens empfohlen und dazu schwärmte der Ålandhafenführer in höchsten Tönen von Jurmo. Dabei liegt die Insel gar nicht in den Ålands.

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Janne am Steuer

Kurz vor Jurmo drehte der Wind von Raumschots auf Gegenan und frischte kräftig auf. Der Winddreher war angesagt gewesen. Wir hatten gerade den Gennaker gesetzt und mussten ihn direkt wieder bergen. Hat aber sehr gut geklappt. Langsam entwickeln wir Vertrauen in uns und das Boot.

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Unter Gennaker

Jurmo selber ist wirklich hübsch. Vom Hafen aus führt ein kleiner Weg zu einer Erhöhung. Wir können über die ganze Insel gucken. Ein paar Schritte weiter stehen ein paar Häuser und wir werden freundlich von Alpakas begrüßt. Einen kleinen Wald gibt es auf der sonst sehr kargen Insel auch. Am Hafen sind entweder die richtigen sanitären Anlagen noch nicht geöffnet oder es gibt wirklich nur Plumpsklos. Wegen der Vorsaison fällt auch keine Hafengebühr an sondern nur eine freiwillige Abgabe.

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Jurmo: Ortschaft, Idylle pur

Die ganze Gegend hier ist ab Midsommar Ende Juni total überlaufen. Dann bekommt man bereits mittags keinen Platz mehr in den Häfen und es ist rappeldicke voll. Wir können uns das kaum vorstellen. In der Vorsaison ist extrem wenig los. Teilweise sind die Häfen noch geschlossen, teilweise liegen wir völlig allein in einem Hafen. Dabei haben wir bereits schönstes Wetter. Idylle pur. Aber es kann auch anders sein. Letztes Jahr hat es hier um diese Zeit noch geschneit.

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Jurmo: Hafen von weiter oben

Von Jurmo aus suchen wir einen geschützten Hafen. Der Wind wird die nächsten Tage auffrischen und wir werden eingeweht sein. Da wollen wir möglichst ruhig und ohne Welle liegen. Wir entscheiden uns für Korpoström. Der Hafen liegt im Süden der Insel Korpo und ist gegen Nordwest bis Nordost gut geschützt. Der Wind dreht langsam auf. 6 Windstärken sind es, in Böen bis zu 7 und 8 sind angesagt. Im geschützten Hafen zeigt der Windmesser bisher nur bis zu 6 an. Bei dem Wind ist basteln am Boot angesagt.

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Jurmo: Asgard im Hafen

Wir haben die Kuchenbude genäht, Gummistrops gebastelt und die fehlenden Knöpfe eingesetzt. Im Cockpit zwei Bretter repariert, den Henkel vom Wasserkessel geklebt, einen Blogpost geschrieben, kleine Löcher zugespachtelt und den Verlobungsring geklebt. Bilder sortiert und gesichert. Sonst steht noch Boot polieren, aufräumen, putzen, eine Lösung fürs EM-Gucken finden und Insel angucken auf dem Plan. Und wir haben endlich Ruhe und Zeit fürs Saunieren.

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Henning beim Labskaus-Kochen in der Kuchenbude

Bisher gefällt uns dieses Finnland sehr gut. Genau das haben wir gesucht. Dafür hat sich das Beeilen durchs Baltikum gelohnt. Die Finnen sind sehr freundlich und finden es völlig normal, dass wir mit dem Boot unterwegs sind. Boote sind wohl wirklich das erste Transportmittel der Wahl in Finnland. So wie wir uns im Auto immer anschnallen tragen die Finnen immer und überall Rettungswesten auf ihren Booten. Egal, ob der Sund 5m breit ist, keine Welle herrscht und es komplett windstill ist. Der Finne hat seine Rettungsweste an. Sehr vorbildlich.

Farmors Cafe auf Högsåra

Die Crew der Barbie schwärmte so vom Farmors Café auf Högsåra, dass wir neugierig geworden sind. Da wir nichts besseres vorhatten, ging es von Hanko nach Högsåra. Eine Entscheidung, die wir definitiv nicht bereut haben. Högsåra ist eine hübsche kleine Insel und das Farmors Café die Anreise auf jeden Fall wert.

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Schäre und Segelboot

Auf den Weg dahin kam uns eine dicke, dunkelgraue Wand entgegen. Immerhin erwischte uns kein Gewitter sondern nur eiskalter Regen. Kurze Zeit später schien aber schon wieder die Sonne und es wurde warm. Henning hat sich so häufiger als beim Klamotteneinkauf umgezogen – Wechsel von Jeans zu Ölzeughose zu Jeans zu kurzer Hose zu Jeans. Analog das gleiche mit T-Shirt, Pulli, leichter Jacke und Ölzeugjacke.

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Ein Unwetter zieht auf

Momentan ist in Finnland noch Vorsaison. Es sind noch nicht alle Häfen geöffnet, wenig Schiffe in den Häfen und noch weniger Schiffe unterwegs. Als wir auf Högsåra ankamen, legten wir am Steg des Farmors Café neben der freiwilligen Feuerwehr von Högsåra an und machten uns auf die Suche nach Kaffee und Kuchen. Nachdem uns Googlemaps schon verraten hat, dass wir zu weit sind, bestätigten ein paar einheimische Teenager unsere Befürchtung: Das Café ist noch geschlossen! Der ganze Weg umsonst.

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Högsara: Häuser

Aufgeben wollten wir aber noch nicht. Also steckten wir die Köpfe um die Ecke der Hofeinfahrt und guckten einfach mal. Die Familie war gerade am Herrichten des Cafés für die diesjährige Saison. Hochkonjunktur ist im Juli bis etwa Mitte August. Dann kommen 500-800 Besucher pro Tag. Anfang Juni ist noch nicht viel los. Aber da sie eh Kuchen für sich backen, sollen wir doch einfach in einer guten halben Stunde wiederkommen. Bis dahin wäre dann alles angerichtet. Die Auswahl könnte zwar nicht mit der mithalten, die es während der offiziellen Öffnungszeiten gibt, aber ein bisschen was wäre da.

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Högsara: Bootsgaragen

Nach einem kleinen Spaziergang über Högsåra kamen wir dann hungrig wieder. Wir konnten zwischen Präsidentenkuchen, Rhababer- und Schokotorte wählen. Dazu gab es noch einige Kekse. Kaffee und Rhababersaft waren auch da. Der Kuchen war weltklasse.

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Högsara: Farmors Cafe

Das Ziel hat sich definitiv gelohnt. Und neben dem leckeren Köstlichkeiten waren auch die Besitzer des Cafés sehr nett und informativ. Das Haus „Farmos Cottage“ ist über 200 Jahre alt, das Café gibt es seit 1994. Farmor ist übrigens schwedisch für Großmutter. Nach dem Tod ihres Ehemanns Janne lebte Großmutter Erika lange Jahre alleine in diesem Häuschen und so kam es zu seinem Namen.

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Högsara: Farmors Cafe, Janne, Moni und Henning

Normalerweise gibt es neben Kaffee und Kuchen auch noch herzhafte Gerichte unter anderem vom Grill. Die Zutaten für die Gerichte kommen zum Großteil aus dem eigenen Garten, von der Insel und aus der Region. Entsprechend variiert das Angebot. Selbst die Energie kommt von den drei Windkraftwerken auf der Insel.

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Högsara: Grillen, Henning, Janne und Moni

Da das Café aber erst am 11.6 offiziell öffnet, haben wir abends selbst gegrillt. Diesmal auf dem Cobb von Andi und Moni.

Die östlichste Wendemarke ist erreicht

Mit Helsinki haben wir den östlichsten Punkt unserer Tour erreicht und nehmen jetzt Kurs auf den nördlichsten. Aber jetzt geht es erstmal westwärts Richtung Ålands.

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Helsinki: Blick vom Yachthafen auf die Stadt

Wir haben uns für das Innenfahrwasser entschieden. Es ging durch enge Sunde, vorbei an kleinen Felsen, an Inseln mit unzähligen Ferienhäusern und -häuschen, alle mit eigenem Bootsanleger.

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Schärenhaus mit Bootsanleger

Die Finnen, die haben es schon sehr schön. Und haben tatsächlich doch rote und grüne Tonnen neben den ganzen Kardinalszeichen. Unseren ersten Tag im Innenfahrwasser motorten wir noch komplett. Es zogen Gewitterwolken über dem Land auf und so liefen wir sehr früh einen Hafen an. Für den Rest des Tages haben wir dann einfach nichts mehr getan. Gelesen und Chili gekocht, das wars. Hat gut getan und einfach mal Ausspannen war wohl auch dringend nötig.

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Navigation durch enges Fahrwasser

Am nächsten Tag hatten wir besseren Wind und trauten uns zum ersten Mal zwischen den ganzen Steinen zu segeln. Das funktionierte trotz des sehr schmalen Fahrwassers gut. Bis auf den Barösund sind wir fast alles gesegelt. Der war uns dann doch zu schmal. Wir sind mit unserer 30 Jahre alten 30-Fuß-Yacht in Finnland eher ein größeres und neueres Schiff. Für uns ein ungewohntes Gefühl.

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Henning am Ruder

Seit Helsinki haben wir keinen Hafenführer mehr, in dem jeder Hafen beschrieben ist. Somit versuchten wir es mit den in der Karte eingezeichneten Gäste- und Servicehäfen ohne zu wissen was uns erwartet. Der Unterschied zwischen diesen beiden Häfentypen war uns nicht so ganz klar – der eine hat auf der Karte zwei rote Kringel und der andere nur einen, aber sonst? Egal – alle paar cm auf der Karte gab es einen Hafen und einer wird schon passen. Etwas skeptisch waren wir aber doch, weil wir bereits im Barösund von den 2 eingezeichneten Häfen nur einen gesehen hatten. Am Ende war der erste anvisierte Hafen zu klein, der zweite nicht vorhanden und der dritte (Boxby) passte.

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Dragesviken: Regenbogen

In Boxby geschah dann das große Unglück. Auf dem Rückweg vom Bezahlen der Hafengebühr stolperte Henning über einen Festmacherring und brach sich den kleinen Zeh. In der Nähe gab es nichts, keinen Ort, keinen Arzt und ganz sicher kein Krankenhaus. Aber das Positive bei einem gebrochenen Zeh im Vergleich zu anderen Knochenbrüchen ist, dass man eh nichts machen kann.

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endlose Weite

Am nächsten Morgen sah die Welt schon wieder viel besser aus – aus dem gebrochenem Zeh war über Nacht ein höchstens geprellter oder gestauchter Zeh geworden. Henning ging es schon wieder so gut, dass er sogar den Abwasch machen konnte. Und so sind wir dann unter Segeln weiter Richtung Hanko.

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Barfußsegeln

Hanko selbst war teuer und ist aus unserer Sicht nicht unbedingt einen Besuch wert. Aber bei ordentlich Wind war es doch ein geschützter Hafen. In Hanko trafen wir auch die Crew der Barbie wieder. Abends beim gemeinsamen Grillen wurden Pläne für die nächsten Tage geschmiedet. Und so ging es dann von Hanko aus gemeinsam mit der Barbie weiter.

Das Baltikum ist abgesegelt

Der Mai ist vorbei und der Sprung nach Skandinavien geschafft. An Polen und das Baltikum hatten wir keine großen Erwartungen und können im Nachhinein sagen, dass es uns sehr gut gefallen hat.

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Dirhami: Idylle pur

Wir hatten unglaubliches Glück mit dem Wetter. Bis zum 30. April war das Wetter mistig, eisig kalt und einfach nur grau – furchtbar. Pünktlich zum 1. Mai, unserem geplanten und tatsächlichen Ablegetermin, begann das gute Wetter und begleitet uns seitdem. Im ganzen Mai hatten wir 2 Tage mit etwas mehr Regen (Danzig) und 2 weitere Tage, an denen es kurz ein wenig getröpfelt hat. Einige wenige Tage waren recht grau mit etwas Sonne. Ansonsten hatten wir Unmengen an Sonnenschein und in Tallinn konnten wir in kurzer Hose und T-Shirt sitzen. Bis nach 21 Uhr war es uns so eher zu warm als dass es uns fröstelte.

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Tallinn: zentraler Yachthafen

Vom Wind sind wir auch verwöhnt. Der Wind ist nicht immer perfekt, aber nach wenigen Tagen Flaute kam immer sofort wieder mehr Wind und nach wenigen Tagen Starkwind, kam auch wieder weniger Wind. Mal haben wir den Wind von vorne und müssen kreuzen, dann wieder perfekte Vorwind- oder Raumschotskurse und wir können unserem Ziel entspannt entgegencruisen. Es bleibt abwechslungsreich und wir absolut nicht langweilig.

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Segeltrimm unterwegs

Ländertechnisch waren wir von jedem Land positiv überrascht. In allen Ländern wurde viel getan um den alten Charme der Orte zu erhalten oder wie in Danzig aufwendig wiederherzustellen. Da hatten wir deutlich weniger erwartet.

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Tallinn: viele, gut erhaltene Wehrtürme

Polen hat uns von der Herzlichkeit her gut gefallen. Zudem war es das bisher günstigste Land. Lange Sandstrände prägten die Küstenlandschaft. Man kann ewig lang spazieren gehen und trifft manchmal keine Menschenseele. Das ist genau unser Ding. Die Häfen sind rar und es ist teilweise nicht ganz einfach bei Welle und ordentlich Wind ein- oder auszulaufen. Aber man sieht vielen Häfen an, dass gerade in den letzten Jahren viel investiert wurde. Auch die kleinen und großen Städte haben uns beeindruckt.

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Danzig: Einfahrt durch den Regenbogen

In Litauen haben wir leider nur Klaipeda gesehen. Gerne hätten wir die kurische Nehrung angeschaut. Aber die innere Zeituhr tickt. Skandinavien ruft. Insbesondere auf die viel gerühmten Ålandinseln sind wir gespannt. Und somit haben wir Nida ausgelassen. Ein anderes Mal klappt der Besuch vielleicht.

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Klaipeda: Yachthafen an der Festungsanlage

Mit Pavilosta haben wir in Lettland endlich mal wieder einen Hafen in einem kleinen Ort gefunden. Nach den vielen Industriehäfen in den doch recht großen Städten eine willkommene Abwechslung. Liepaja und Ventspils entsprachen zwar wieder den typischen Industriehäfen, aber die Feier zum 750sten Geburtstag in Liepaja hat uns extrem gut gefallen und den Eindruck der Stadt deutlich ins positive verschoben.

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Liepaja: Schwimmsteg für Gastyachten

Estland war anders als die vorherigen Länder. Teurer, skandinavischer, gepflegtere Anlagen. Die langen Sandstrände aus Polen, Litauen und Estland sind vorbei, stattdessen herrschen Steine, grüne Wälder und Natur pur vor. Aber auch die Yachthäfen mitten in den Industriehäfen sind passé. Estland ist im Yachttourismus einfach weiter als die anderen Länder. Die Preise für die Nacht im Hafen sind aber auch doppelt so hoch, dafür gibt es in vielen Häfen Sauna und Wlan.

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Koiguste: Einsamkeit

In den letzten Jahren muss sich in Polen und im Baltikum bezüglich Yachttourismus viel getan haben. Viele Häfen wurden saniert, es gibt tolle Hafenführer und in der Regel sehr motivierte Hafenmeister. Hoffentlich bleibt noch etwas von dem ursprünglichen Charme erhalten. Einige Orte waren schon sehr touristisch, insbesondere die Dünen von Leba und die Strände in Kolberg und Ventspils.

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Kuressaare: Seasick Luzie

Nach einem Monat unterwegs waren die folgenden Häfen bislang unsere Highlights (beliebige Reihenfolge):
– Danzig: Insbesondere das Einlaufen durch die gesamten Hafenanlagen mit dem Yachthafen direkt in der Altstadt
– Talinn: Yachthafen ebenfalls Altstadtnah, aber nicht so zentral wie in Danzig. Wunderschön erhaltene mittelalterliche Altstadt
– Koiguste: Ein Anleger für uns allein in einer idyllisch gelegenen Bucht
– Liepaja: 750 jähriger Stadtgeburtstag mit Fest direkt am Yachthafen

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Ventspils: das Boot ist zu klein für die Heckboje

Was haben wir richtig gemacht? Neben einer riesigen Portion Glück was das Wetter und den Wind anbetrifft, hat auch die langsame Veränderung geholfen. Wir haben uns nach der Enttäuschung in Greifswald-Wieck fast kontinuierlich gesteigert. Quert man von Dänemark und Schweden rüber, sind viele anscheinend von dem krassen Unterschied her geschockt. Nach idyllischen, kleinen, skandinavischen Yachthäfen im Industriecharme und der manchmal improvisierten Umgebung von Polen und dem Baltikum zu landen ist wohl gewöhnungsbedürftig. Wir haben uns sukzessive von Komfort und Ausstattung her verbessert und uns über jede neue Annehmlichkeit gefreut. Und über einige Dinge haben wir eher sehr geschmunzelt als uns geärgert. Wie zum Beispiel die Duschen in kommunalen Hafen von Pavilosta, in denen das Licht nicht ging und man nur warm duschen konnte, wenn im Vorraum der Wasserhahn vom Waschbecken ebenfalls kurz aufgedreht wurde. Wir haben zum Glück jemanden getroffen, der uns den kleinen Hinweis auch verraten hat.

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Tallinn: es bleibt lange hell

Wir sind im Mai sehr schnell vorangekommen. Uns tut es fast Leid, dass wir nicht mehr Zeit hatten. Ruhnu, Kihnu, Riga und einige weitere schöne Orte haben wir ausgelassen. Hoffentlich finden wir irgendwann nochmal die Zeit wieder zu kommen. Am liebsten natürlich auf eigenem Kiel statt mit Charteryacht.

Tschüss Tallinn, hej Helsinki

Von Tallinn aus konnten wir Helsinki bei Ostwind gerade so anlegen. Somit kamen wir tatsächlich ohne ein einziges Mal zu kreuzen über den finnischen Meerbusen. Das Baltikum liegt hinter uns, wir sind in Skandinavien angekommen.

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Helsinki: Kreuzfahrer

Die Ansteuerung von Helsinki hat uns einen ersten Vorgeschmack auf die Schärengewässer gegeben. Zwischen diversen Steinen, Untiefen, Inseln und Inselchen haben wir anhand von Kardinalszeichen navigiert. Die Zeit der rot-grünen Betonnung ist jetzt erstmal vorbei, stattdessen wird nach Untiefentonnen und Himmelsrichtungen gefahren.

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Helsinki: zentraler Hafen mit Traditionsschiffen

Im Hafen haben wir Andi und Moni von der Barbie getroffen. Nachdem wir uns in Barhöft um einen Tag und in Tallinn um wenige Stunden verpasst haben, hat es in Helsinki endlich geklappt. Wir hatten gerade angelegt und klar Schiff gemacht, als Moni und Andi von ihrer Radtour durch die Stadt zurück gekommen sind. Spontan haben wir das Anlegerbier auf das Cockpit der Barbie verlegt. Gegrillt haben wir dann gemeinsam an Bord der Asgard. Es wurde ein langer, aber sehr schöner Abend.

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Helsinki: Radtour

Am nächsten Tag stand die Erkundung von Helsinki an. Wir hatten uns beim Yachtclub Räder geliehen und sind kreuz und quer durch die Stadt gedüst. Bezüglich Helsinki war unser Eindruck recht zwiegespalten.

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Helsinki: Boote im Wasser…

Vieles hat uns gut gefallen. An jeder Ecke liegen Boote. Überall ist Wasser. Wir haben uns gefragt, ob die Stadt mehr Boote oder mehr Autos pro Einwohner hat. Es ist alles sehr sauber und die Stimmung umgänglich. Man nimmt gegenseitig viel Rücksicht aufeinander. Der schlichte skandinavische Stil ist gerade bei den moderneren Bauten beeindruckend umgesetzt.

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Helsinki: Balanceakt

Was uns irritiert hat, war die Menge an Menschen an einem Mittwoch in der Stadt. Da die Banken geöffnet hatten, dürfte es eigentlich kein Feiertag gewesen sein. Die Stadt wirkte schon überfüllt nur mit den Kreuzfahrern. Dazu waren aber noch viele weitere Menschen unterwegs. Die Häuser sind sehr hoch und somit wirken die Straßen deutlich beengt. Es gibt generell viele hohe Häuser im Zentrum. Der Yachthafen liegt wieder zentral, aber auch direkt neben einer viel befahrenen Straße. Immerhin ist es nachts ruhig.

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Helsinki: hohe Fassaden

Wir hatten allerdings auch deutlich größere Erwartungen an Helsinki als an Tallinn. Wir können nicht einmal genau sagen warum. Aber Helsinki hat uns nicht ganz so sehr beeindruckt wie zum Beispiel Tallinn. Vielleicht kamen die zwei Städte auch einfach zu kurz hintereinander.